Antragsteller*in: | Elias Bamidis (KV München) |
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B-LV18: Elias Bamidis
Selbstvorstellung
Liebe Freund*innen,
ich kandidiere für die LDK 2025 und bitte Euch dafür um Eure Stimmen. Ich bin im Sommer 2019 nach der Europawahl und im Zuge der Fridays for Future Proteste Parteimitglied geworden.
Bei der LDK geht es um die Wahl des Landesvorstandes, erstmalig wird eine vielfaltspolitische Sprecherin gewählt und auch weitere bedeutende Gremien- und Delegationswahlen stehen an. Mit Blick auf die Kommunalwahlkämpfe 2026 möchte ich mich mit Grünen aus ganz Bayern vernetzen und würde mich freuen viel von Ihnen zu lernen. Neben der Mitwirkung in AGs möchte ich mich auch bei der Entwicklung von Parteiprogrammen auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene gerne einbringen.
Politische Positionen
Nachdem die letzten Jahre vor allem von Wahlkämpfen und OV-Vorstandsarbeit (Sprecher OV Sendling 2023-2025) geprägt waren, möchte ich mich nun inhaltlich einbringen. Ich habe mitunter zähneknirschend den post-politischen Kurs für die imaginierte Merkel-Lücke in diversen Wahlkämpfen mitgetragen, auch in der Hoffnung auf Wahlerfolge. Doch gegen den Zeitgeist, ohne kulturelle Hegemonie und mit einem radikalisierten Konservatismus in Form der Union war die Strategie zum Scheitern verurteilt. Der Traum von einer ökologisch versöhnten Welt, die fossil-kapitalistische Machtstrukturen und Hegemonie überwunden hat, ist ausgeträumt. Die Quittung haben wir am 23.02 erhalten. Wir befinden uns mitten in einem Kulturkampf von rechts! Die Union mischt fleißig mit - und zwar aus Überzeugung und nicht nur aus Wahltaktik. Die Omas gegen Rechts grüßen. Das Spielfeld ist bereits gekippt. Faschisierungsdynamiken lassen sich nicht durch Anpassung unsererseits aufhalten. Anstatt der verlorenen Hegemonie (wenn wir sie denn je hatten) nachzutrauern sollten wir jetzt befreit nach vorne schauen und zeigen, dass ein gutes Leben für alle innerhalb planetarer Grenzen möglich ist.
Es wäre nun an der Zeit aus der Opposition heraus Politik zu gestalten. Ja das ist kein Widerspruch, denn sowohl im Bundesrat als auch für die 2/3 Mehrheit im Bundestag werden wir gebraucht. Und zwar mit einem klaren Profil und ohne Angst vor Konflikten oder vor einem demoskopisch herbeigeredeten "Volkswillen". Letztlich ginge es darum Diskurse "proaktiv" zu setzen und sämtliche Politikfelder aus der ökologischen Frage heraus anzugehen - der existenziellen Frage dieses Jahrhunderts. Denn andere Parteien gibt es schon; das Original - ob schwarz/hellblau oder links - wird bekanntlich lieber gewählt. Unser politisches Angebot sollte die Befreiung aus der fossilen Zerstörung sein, in der Verzicht - vor allem der vermögenden Klassen - normal ist. Damit sind vor allem auch wir, das privilegierte grüne Milieu gemeint. Das müssen wir auch klar umsetzen; pro-Kopf Klimageld und Flat Taxes auf Vermögen und Erbschaften reichen nicht aus. Ob dieser Kurs erfolgreich sein könnte, wissen wir nicht - aber es wäre einen Versuch wert. Das wissenschaftlich Notwendige sollten wir politisch möglich machen und nicht das politisch Mögliche durch die Fiktion einer rational agierenden, ökologisch befriedeten Gesellschaft verunmöglichen.
Kollapsolog*in kann mensch im Zweifel immer noch werden, dafür ist es nie zu spät. Sozial-ökologische Kämpfe sind immer sinnvoll - jedes Zehntel Grad zählt, auch wenn Kipppunkte bereits überschritten sein sollten. Zwei liberal-konservative intellektuelle Groß-Strategen würden das wahrscheinlich so formulieren: "Das Richtige wird nicht falsch, nur weil der Zeitpunkt ein falscher ist" bzw. "lieber das Richtige tun als nichts zu tun".
Mittelfristig ginge es darum bundesweit eine progressive und linke Gegenmacht und politische Mehrheit zu organisieren, um die Normalität einer Externalisierungs- und Verdrängungsgesellschaft in Frage zu stellen. Hierzu wäre es auch sinnvoll, heterodoxe Ökonomie stark zu machen und nicht dem neoliberalen und marktfundamentalistischen Zeitgeist hinterherzurennen. Unsere Programme triefen nur so vor Start-Up-Sprech und Meritokratie-Gläubigkeit. Die realen Abstiegsängste, Kaufkraftverluste und die perverse Vermögensungleichheit laden gerade zu einer antifaschistische Wirtschaftspolitik ein. Wir sollten uns als Grüne auch als eine Alternative zum Status Quo positionieren und das nicht der Linken überlassen. Ein neuer Klimapopulismus mit ökologisch begründeter Umverteilung von oben nach unten muss dabei genauso eine Rolle spielen wie eine nachhaltige Industriepolitik. Langfristig möchte daran mitwirken, eine wachstumsorientiertes Wirtschaftsmodell zu einer funktionierenden Suffizienz- und Kreislaufökonomie umzugestalten. Ich denke, dass es sich lohnt unangenehme Realitäten und Bürger*innen als Erwachsene anzusprechen anstatt sie mit Ängsten und Ressentiments zu spalten.
Daneben liegen mir auch ganz konkrete Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung am Herzen. Eine klimaresiliente und lebenswerte Stadt mit Flächenentsiegelungen, Fassaden- und Dachbegrünungen, Aufstellen von Trinkwasserspendern, Kühlräumen etc. ist Teil der Lösung. Die Maßnahmen haben auch positive Effekte auf die Lebensqualität und (planetare) Gesundheit. Insbesondere vulnerable und benachteiligte Gruppen leiden unter den dramatischen gesundheitlichen Folgen. Luftverschmutzung ist das größte umweltbedingte Gesundheitsrisiko in Europa und verursacht jährlich über 300.000 Todesfälle. Fast alle Bewohner*innen europäischer Städte sind einer Feinstaubbelastung ausgesetzt, die über den WHO-Grenzwerten liegt. Kinder sind besonders gefährdet durch Luftschadstoffe zu erkranken. Der Übergang zu einer fossilfreien Wirtschaft ist für mich als Mediziner das größte Gesundheitsprojekt des 21. Jahrhundert. Zudem trete ich für eine klimagerechte Reduktion des Flugverkehrs ein. 1% der Menschen sind global für 50% der Flugemissionen verantwortlich - hier treffen sich die strukturelle und individuelle/Milieu-Ebene auf ganz unbequeme Art und Weise. Es gibt schließlich legal keine günstigere und gesellschaftlich anerkanntere Form des Ökozids als das Fliegen. Der Flugsektor mit seiner ungebremsten Wachstumsdynamik zeigt am klarsten, dass Technologie uns nicht retten wird - das können wir nur selber tun.
Aus all den Gründen bewerbe ich mich zum ersten Mal als Delegierter für die LDK.
Ich freue mich über Eure Unterstützung!
Elias
P.S. Wir brauchen unbedingt einen AfD-Verbotsantrag in dieser Legislaturperiode!
- Alter:
- 31
- Geschlecht:
- männlich
- Geburtsort:
- Bonn